Herausforderung dynamisches Sitzen – das muss ein guter Bürostuhl für Sie tun


Im ersten Teil „Herausforderung dynamisches Sitzen – die faszinierende Technik dahinter“ haben wir uns mit den physikalischen Unterschieden dynamischer Sitzkonstruktionen auseinander gesetzt. Im nun folgenden zweiten Teil beschäftigen wir uns mit dem, der darauf Platz nimmt: Dem Menschen.

Wenn wir Menschen stehen und gehen müssen wir unser Becken als Basis des Rumpfes und der Fixpunkte unserer Beine aktiv stabilisieren, d.h. im Raum ruhig halten ohne es wie bei den Modells auf dem Catwalk seitlich abkippen zu lassen. Das Becken und der darauf aufbauende Rumpf samt Schultergürtel stellen die Fixpunkte unserer Extremitäten dar und werden durch unser tiefenstabilisierendes Muskelsystem rechtzeitig auf die Zielhandlung ruhig eingestellt.

Unsere hintere Rumpfmuskulatur mit dem hier für ein Wirbelsegment dargestellten tiefenstabilisierenden Muskelsystem.

 


Unser tiefenstabilisierendes Muskelsystem stellt den Rumpf vor der Bewegung auf die Zielhandlung ein!


Mensch und Motorik

Wir Menschen sind die einzigen aufgerichteten Lebewesen und können in der aufrechten Haltung feinstmotorische Aktionen, z.B. das Einfädeln eines Faden in einem Nadelöhr, durchführen. Affen können auch, zumindest kurzfristig, zweibeinig gehen und stehen, müssen sich jedoch setzen, sobald sie etwas feinmotorisch mit ihren Händen manipulieren, z.B. das Knacken einer Nuss. Die Affen setzen sich, um ihr Becken auf einer festen Unterlage zu fixieren. Damit fällt Ihnen die Stabilisation des Rumpfes auf der Basis ihres fixen Beckens leichter. Das kann man bei uns Menschen auch beobachten, wenn wir etwas sehr feinmotorisches v.a. über eine längere Zeit bewerkstelligen wollen, und sei es nur das Tippen auf der Tastatur. Gerade Menschen mit Instabilitäten im Wirbelsäulen und/oder Beckenbereich setzen sich gerne und können nicht lange im Stehen feinmotorisch arbeiten. Beim Sitzen auf einer starren Sitzfläche wird uns die Stabilisation des Beckens massiv erleichtert, denn wir müssen dafür nicht aktiv sein und unsere motorische Steuerung fährt herunter.


Alle passiven Körperhaltungen, so auch das unbewegliche Sitzen, die über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, degenerieren unsere motorische Steuerung!


Positionieren wir unser Becken nun aber auf einer dynamisch gelagerten Sitzfläche, so bildet diese keinen absoluten Fixpunkt mehr für unser Becken und wir müssen die Stabilisation aktiv bewerkstelligen. Jede Bewegung die wir durchführen, sei es Schwankungen des Rumpfes, Bewegungen der Beine und v.a. der Arme und des Kopfes, führen zu einer Bewegung bzw. Auslenkung der Sitzfläche nach dem Prinzip von Aktion gleich Reaktion. Diese Bewegungen werden von den erwähnten zahlreichen Meldeorganen, v.a. in den Muskeln und Haut des Gesäßes, an unser zentrales Nervensystem gesendet und führen zu einer aktiven Antwort.

Nun ist die Frage, welche Qualität die Auslenkung der Sitzfläche hat: Kippt diese oder pendelt diese?

Biomechanisch ist das seitliche Beckenkippen im Sitzen als problematisch anzusehen. Denn man sollte hierzu wissen, dass unsere Beckenstabilisation gegen das seitliche Kippen normalerweise in der Aufrechten beim Gehen gewährleistet sein muss. Muskulär wird dieses seitliche Beckenabkippen durch den mittleren und kleinen Gesäßmuskel abgesichert. Diese liegen seitlich am Becken und werden in der Einbeinstandphase maximal aktiviert. Ein im Sitzen seitlich abkippendes Becken kann nicht durch diese beiden Gesäßmuskeln abgesichert werden, da diese durch die Hüftbeugung biomechanisch dazu nicht mehr in der Lage sind. Also muss die Beckenstabilisation bzw. kontrollierte Beckenabkippung durch andere Muskeln gewährleistet werden. Und dies ist zu allererst der quadratische Lendenmuskel. Dieser Muskel ist dazu jedoch nur bedingt geeignet, was seine schmerzhafte Überlastung zur Folge haben kann.


Unsere aktive Beckenstabilisation ist ökonomisch nur im Stehen möglich!


Die pendelnd gelagerte BIOSWING®-Sitzfläche

Anders sieht dies jedoch bei pendelnd gelagerten Sitzflächen von BIOSWING® aus, da diese das Becken in der Vertikalen stabil halten. Der quadratische Lendenmuskel wird so nicht übermäßig aktiviert, denn es gibt kein unnormales seitliches Abkippen des Beckens im Sitzen. Weiter bleibt auf pendelnd gelagerten Sitzflächen unser tiefenstabilisierendes Muskelsystem (s. Abb. oben) aktiviert, um die Wirbelsäulensegmente zu stabilisieren und eine größere Auslenkung zu unterbinden. Das tiefenstabilisierende Muskelsystem befindet sich die ganze Zeit während des Sitzens auf einer pendelnd dynamisch gelagerten Sitzfläche in einem Stand by – einem ökonomischen Bereitschaftszustand.

Wichtig ist bei einem pendelnden Sitzsystem, das die Auslenkungen der Sitzfläche klein und horizontal gehalten werden. Ziel ist es, möglichst nur das tiefenstabilisierende System zu aktivieren. Bei den kleinen Bewegungen werden überwiegend auch nur die Rezeptoren der v.a. horizontaler verlaufenden Segmentmuskeln gereizt und die Antwort unseres zentralen Nervensystems bleibt auf dieser segmentalen Muskelschicht begrenzt. Denn diese kleinen, dosiert horizontalen Auslenkungen können aufgrund der Muskelfaserausrichtung der verschiedenen Rumpfmuskelschichten nur von den kleinen, segmentalen Muskeln beantwortet werden. Die ohnehin meist überlasteten großen Muskeln werden über ihre normale Haltefunktion nicht aktiviert, durch das aktive segmentale Muskelspiel möglicherweise sogar entlastet. Wichtig ist es, das die Sitzfläche nach dem Pendelprinzip vom Stuhlgestell entkoppelt ist und die Sitzflächenbewegungen gezielt gedämpft sind. Es darf nie Unsicherheit entstehen bzw. der sitzende darf nie durch plötzliche Bewegungen der Sitzfläche oder der Rückenlehne, z.B. ein Abkippen, überrascht werden. Denn Unsicherheit und Überraschung führen zu einer Aktivierung großer Muskelverbände, und genau dieses Muskelmuster soll unterbunden bzw. durchbrochen werden.


Fazit: Sitzen auf einer dynamisch pendelnden BIOSWING-Sitzfläche hält die Aktivität ihrer tiefenstabilisierenden Muskulatur aufrecht, versorgt das Gehirn mit ausreichenden Informationen aus dem Bewegungsapparat und fördert die für ein schmerzfreies Arbeiten und Bewegen wichtige Lenden-Becken-Stabilisation.

Das entscheidende ist die Koordination des Nerv-Muskel-Zusammenspiels, nicht die primäre Mobilität passiver Strukturen wie z.B. den Bandscheiben.

Kippende Bewegungen sollten vermieden werden, da diese unnötig die ohnehin überlasteten oberflächigen Muskeln weiter überlasten können, außerdem lenkt zu starkes Kippen möglicherweise von der konzentrierten Arbeit ab und ist in der sitzenden Position in Bezug auf die Beckenstabilisation unphysiologisch.


Improve Your Life! Ihr BIOSWING-Team